Bocholt. Von der Garagenfirma zum weltweit operierenden Unternehmen – manchmal funktioniert so etwas auch in Deutschland. Ein Beispiel dafür ist die Frescolori.de GmbH aus Bocholt. Vor 25 Jahren von Frank Ewering als Ein-Mann-Gesellschaft in einem Unterstellplatz an der Roonstraße in Bocholt gegründet, präsentiert sie sich heute als 27-köpfiger Malerbetrieb und mehrfach preisgekrönte Manufaktur. „Auch wenn wir inzwischen jährlich tausende Tonnen hochwertigen Marmorputz produzieren und auf vielen Kontinenten der Welt verkaufen, bleiben wir doch Handwerker. Das ist die Basis, die wir und von der wir leben“, erklärt Firmenchef Frank Ewering seine Philosophie. Grund genug für ihn, zum Jubiläum zunächst viele Kolleginnen und Kollegen aus den deutschen Partnerbetrieben und dann am Sonntag, den 14. Oktober, ganz Bocholt zu einem Tag der offenen Tür in die Firmenzentrale an der Ferdinand-Braun-Straße 2 in Holtwick einzuladen und

Ewering wuchs in Groß Reken mit Farben, Formen und Strukturen auf. Er war ältester Sohn eines Malers und eigentlich prädestiniert, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Doch der Junior hatte andere Pläne. Diesen und auch seinem Herzen folgend, zog er nach Bocholt und baute dort mit bescheidensten Mitteln einen eigenen Betrieb auf. Während eines Messebesuches in München lernte der Maler erstmals italienischen Putz kennen und fand auch schnell einen Kunden dafür. Das Ergebnis war ein Desaster. „Als ich auf die Baustelle zurückkam, hatte die Hausherrin 400 Schadstellen mit gelben Klebezetteln markiert“, erinnert sich Ewering. Ursache war fehlerhaftes Material.

„Desaster“ als Geburtsstunde der Marke

Was ihm damals viel Schweiß und Geld kostete, war im Nachhinein ein Glücksfall und die Geburtsstunde von FRESCOLORI®. „Das muss doch besser gehen“, dachte sich der Bocholter und entwickelte in jahrelanger, manchmal nächtelanger Arbeit einen eigenen Putz. Dazu kauft er sich zunächst in einem Fachgeschäft für Bäckereibedarf eine große Rührmaschine und experimentierte herum. Ewering verwendet ausschließlich natürliche, emissionsfreie Rohstoffe. Dazu gehören und anderem Kalk und geriebener Marmor. Beides wurde mit Bindemitteln und Wasser sowie weitere Zutaten vermischt. Eine Sisyphusarbeit. Denn mal klumpte das Endergebnis, weil von dem einen oder anderem zu viel beigemengt war, mal band es nicht sauber ab, weil eine andere Zutat zu spät oder früh hinzugegeben wurde. Kein Wunder, dass Frank Ewering das Geheimnis der genauen Zusammensetzung und des exakten Produktionsprozesses bis heute hütet wie seinen Augapfel. Das Rezeptbuch liegt sicher verwahrt in einem Tresor.

Das erste verkaufsfähige Produkt nannte der Gründer wegen des hohen Anteils Carrara-Marmors aus Italien CARAMOR®. Es wurde erstmals erfolgreich im Bocholter Kinodrom eingesetzt. Ewerings Unternehmen war in der Zwischenzeit in eine Halle an der Vardingholter Straße in Barlo umgezogen. 1998 gründete er dort die Produktionsgesellschaft Frescolori.de GmbH und experimentierte weiter.  Die Qualität der Ergebnisse sprach sich herum. Es folgten Großaufträge von Banken, Hotels und Reedereien, die die Innenwände ihrer Kreuzfahrtschiffe mit und von FRESCOLORI® veredeln ließen.

Mehrer Designpreise für die Produkte made in Bocholt

Auch die Produktpalette vergrößerte sich. Zu CARAMOR® gesellten sich MARANZO® (für den Boden) PURAMENTE® (für die Dusche) und vor allem FRESCOTON®, eine Spachtelmasse, die Leichtbauwänden und Holzplatten eine wie echt wirkende Betonoptik verleiht. Die Erfindung war derart revolutionär, dass die Bocholter Firma gleich mit mehreren Design-Preisen ausgezeichnet wurde – unter anderem mit dem reddot award, dem German Design Award und dem Plus X Award.

Erneut wurde es zu eng. Frank Ewering ließ eine neue Betriebsstätte in Holtwick bauen, die man 2011 bezog, die 2017 aber noch einmal erweitert wurde und auch jetzt schon wieder neu überplant wird. In der Zentrale fand auch ein Schulungszentrum Platz. „Um die einzigartige, von den Kunden gewünschte Optik zu bekommen, müssen selbst erfahrene Maler den Umgang mit unseren Produkten zunächst einmal erlernen“, erklärt der Inhaber und Chef. Ein Grund mehr für ihn, ein Partnerprogramm zu entwickeln und den Kolleginnen und Kollegen zu helfen.

Strategische Allianz mit der Premium-Einrichtungsmarke WK Wohnen

2018 dann ein weiterer Meilenstein: Die Bocholter Manufaktur schloss eine strategische Allianz mit der traditionsreichen Premium-Einrichtungsmarke WK Wohnen in Rheda-Wiedenbrück. Die vertreibt nun weltweit exklusiv entwickelte Wandpaneele und eine Tischkollektion in den aktuell angesagten Steinoptiken made in Bocholt. Frank Ewering hatte es zuvor geschafft, die vertraute Optik und Haptik des CARAMOR® auf MDF-, HDF-, Siebdruck- oder Aluminiumverbundplatten zu bringen.

Inzwischen ist mit seinem Sohn Maximilian Ewering die nächste Generation als Auszubildender ins Unternehmen eingestiegen. Anders als sein Vater Frank, der staatlich geprüfter technischer Fachwirt Farbe und Malermeister ist, schlägt der Junior zunächst den kaufmännischen Berufsweg ein. Und wie geht es weiter? „Wir setzten unsere Doppelstrategie fort“, meint Frank Ewering. Demnach bleibt die Frescolori.de GmbH eine Manufaktur, ohne ihre Wurzeln als Malerbetrieb aufzugeben. Und doch hegt der Gründer, Inhaber und Chef einen Traum. Einen Showroom in London, dem internationalen Zentrum für Design, Architektur und Projektmanagement, würde er noch gerne eröffnen.

Tag der offenen Tür am Sonntag

Die Frescolori.de GmbH lädt am Sonntag, den 14. Oktober 2018, von 11 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür an die Ferdinand-Braun-Straße in Bocholt-Holtwick ein. Auf die Besucher warten Werksführungen, Zauberei und Ballonkunst, Kinderschminken, eine Hüpfburg und ein Food-Trailer mit Getränkestand, Um 16:30 Uhr verlost das Unternehmen Material für ein 30 Quadratmeter großes, fugenloses Bad inklusive fugenloser Dusche. Mehr dazu unter verlosung.frescolori.com